Hainisch, Marianne
Österreichische Politikerin
* 25.3.1839 Baden bei Wien, † 5.5.1936 Wien

Die Einführung des Muttertags in Österreich 1924 geht auf die Initiative von Marianne Hainisch zurück.
Marianne war die älteste Tochter des wohlhabenden Fabrikanten Josef Perger. Als Kind hatte sie Hauslehrer und besuchte dann als Externe das Institut Fröhlich, eine Schule für höhere Töchter.
Mit 18 heiratete sie 1857 den Fabrikbesitzer Michael Hainisch; das Paar bekam zwei Kinder, Sohn Michael (1858-1940, von 1920 bis 1928 der erste österreichische Bundespräsident) und Tochter Maria. Wegen des amerikanischen Bürgerkriegs geriet die Firma ihres Mannes in eine wirtschaftliche Krise, und Marianne Hainisch wurde mit der schlechten Lage der Arbeiterfamilien konfrontiert. Sie erkannte, dass durch mangelnde Ausbildung die Arbeiterfrauen nichts zum Lebensunterhalt ihrer Familien beitragen konnten.
Marianne Hainisch war eine Pionierin der österreichischen Frauenbewegung. Sie setzte sich für die Verbesserung der Ausbildungschancen für Mädchen und die Gleichberechtigung der Frau ein und trat dem „Frauen-Erwerbsverein" bei, der 1866 gegründet worden war. Sie war eine glänzende Rednerin. 1870 forderte sie in ihrer Schrift „Zur Frage des Frauenunterrichtes" die Einrichtung von Mädchenrealgymnasien und das Recht der Frauen auf ein Universitätsstudium; außerdem verlangte sie die Zulassung von Frauen zu allen Berufen, um bessere Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen. Dieses Jahr darf als Geburtsstunde der österreichischen Frauenbewegung bezeichnet werden. 1875 veröffentlichte sie „Die Brotfrage der Frau“.
Marianne Hainisch wurde zu einer der Führerinnen der bürgerlichen Frauenbewegung und erreichte, dass Ende des 19. Jahrhunderts die Universitäten für Frauen geöffnet wurden. 1899 gründete sie den „Bund Österreichischer Frauenvereine", den sie 16 Jahre lang leitete. 1918 trat Marianne Hainisch der Bürgerlich-Demokratischen Partei bei, 1929 war sie Mitgründerin der Österreichischen Frauenpartei. Sie engagierte sich für die Gleichberechtigung der Frau, Fürsorgeaufgaben und Friedenspolitik. Zu ihren Freundinnen gehörten Bertha von Suttner (1843-1914) und Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916).
Marianne Hainisch starb im hohen Alter von 96 Jahren. Ihre Geburtsstadt Baden errichtete ihr ein Denkmal.
Briefmarken:
- Österreich 1946 (1989)
Quellen:
- Elga Kern, Führende Frauen Europas – Elga Kerns Standardwerk von 1928/1930, Ernst Reinhardt Verlag München 1999
- Udo Sautter, Biographisches Lexikon zur deutschen Geschichte, Verlag C. H. Beck München 2002
- Ernst Probst, Superfrauen 11 – Feminismus und Familie, Verlag Ernst Probst Mainz 2001
- www2.onb.ac.at/ariadne/vfb/bio_hainisch.htm [17.3.2011]
(Iris Ruhl 2008/2011)


