Letzte Aktualisierung:
13. 05. 2012

 

Top 150 Briefmarken

 

Zackige Schätze in Schuhkartons

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„Seh-, Kauf- und Tauschleute" beim Briefmarkentag im Servatius-Haus

von THOMAS HEINEMANN

SIEGBURG. Der Duft von altem Papier lag im Servatius-Haus in der Luft. Abertausender kleiner quadratischer und rechteckiger Papierstücke, meist kaum größer als eine Daumenkuppe, waren die stillen und wertvollen Stars des Siegburger Briefmarkentages. Zu diesem hatten die Siegburger Briefmarkenfreunde in gewohnter Manier in die Mühlenstraße eingeladen und freuten sich ob der guten Resonanz, wie Vereinspressewart Walter Hoffmann bestätigte.

Aus Alben, Holzkisten, Schuhkartons und Umschlägen boten Sammlerfreunde ihre gesammelten Briefmarken, aber auch historische Briefe, deren Umschläge sowie Zeugnisse der Heimatgeschichte und Bücher an. „Seh-, Kauf- und Tauschleute", erklärt Hoffmann, sind auf der Suche nach postfrischen, gestempelten und aufgeklebten Marken. „Das Alter ist grundsätzlich kein Kriterium für den Wert. Es ist wie überall auf dem Markt: Was knapp ist, ist wertvoll", weiß der langjährige Sammler, der seit seiner Jugend, mit einigen Unterbrechungen, Briefe und ihre Marken des Zentralen Kurierdienstes (ZDK), einer Art „Post in der Post" für vertrauliche Dokumente, aus der ehemaligen DDR sammelt. „Es war nämlich Vorschrift, diese Sachen nach einer Frist von vier bis sechs Wochen zu vernichten. Wie sie sehen, hat jemand diese Order nicht befolgt." Je 200 Euro sind die unscheinbaren Briefe mit gestempelter Marke Wert. Rund 200 000 der blauen Marke des "Notopfer Berlin" zählen darüber hinaus zu Hoffmanns Sammlung.

 

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In der Männerdomäne: Eva Rolniczak (links) und Brigitte Nitzke gehören zu den vier Prozent der weiblichen Briefmarkensammlerinnen.

 

"Jeder Sammler hat sein Spezialgebiet, den Generalsammler gibt es nicht mehr", weiß der Pressewart. Mit dem "Michelkatalog" in der Hand durchforsteten die Spezialisten die Sammlungen der Aussteller. Rund 20 bis 30 Prozent, in seltenen Fällen bis zu 50 Prozent, der vorgeschlagenen Preise seien am Markt realistisch, so Walter  Hoffmann.

Ausnahmen bestätigten jedoch die Regel: Fälschlicher Weise waren im Jahr 2001 einige wenige Audrey-Hepburn-Wohlfahrtsmarken trotz fehlender Lizenzrechte für die Verwendung des Konterfeis der Schauspielerin in Umlauf gekommen. Die schönste der drei bisher öffentlich versteigerten Marken erbrachte 135 000 Euro und wurde von Fachleuten als eine der wertvollsten modernen Briefmarken der Welt betitelt.


DER VEREIN

Die Siegburger Briefmarkenfreunde sind mit seinen 155 Mitgliedern der größte Verein seiner Art im Philatelistenverband Mittelrhein. Nicht nur aus der Kreisstadt, aus der gesamten Region, dem nördlichen Rheinland und Rheinland-Pfalz kommen die Sammlerfreunde. Bei ihren regelmäßigen Tauschtreffen an jedem zweiten und vierten Mittwoch im Monat ab 19 Uhr im Siegburger Kolpinghaus laden die Briefmarkenfreunde zum Ansehen, Verkaufen und Tauschen von Marken, historischen Postkarten und Büchern ein. Zweimal im Jahr findet der Siegburger Briefmarkentag im Servatius-Haus statt, der nächste am 19. Oktober. (th)

Informationen: www.siegburger-briefmarkenfreunde.de

(Rhein-Sieg-Rundschau Nr. 67, 19.3.2008)