Frau und Philatelie macht auf sich aufmerksam

Frau und Philatelie macht auf sich aufmerksam

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten wurde unser Verein  immer aktiver: Frau und Philatelie machte sich nachhaltig bemerkbar und trat an die Öffentlichkeit. Was im Kulturbund der nicht mehr existierenden DDR schon lange Realität war – Frauen sind gleichberechtigt – musste bei uns erst erkämpft werden.

Auch der Vorstand des BDPh konnte nicht mehr an den Sammlerinnen vorbeisehen und bestellte den damaligen Beisitzer im BDPh-Vorstand, Herrn Lindner, zur Ansprechperson für die Frauen des BDPh. Auf der Internationalen Briefmarkenbörse 1994 in Essen startete man einen ersten Versuch mit einem gut organisierten Frauencenter: Sammlerinnen stellten in einer Ausstellung ihre Sammlungen vor. Aktiv dabei waren Sammlerfreundinnen des 1. Frauen-Philatelistenclubs Berlin und von Frau und Philatelie.
Beides – das Center und die Ausstellung – fanden große Beachtung. Interessierte Besucher erhielten über Gutscheine ein für die Messe erstelltes „Frauen-Special“, philatelistische Unterlagen und eine Tasse Kaffee. 600 Besucher lösten in den vier Messetagen ihre Gutscheine ein, und wir führten viele informative Gespräche.
Zwei Attraktionen stellten wir im Frauen-Center vor: Die Grafikerin Frau Hannelore Heise aus Halle/Saale, die die Wohlfahrtsmarken 1993 (Trachten-Serie) entworfen hatte, und eine Kupfer- bzw. Stahlstecherin der Bundesdruckerei Berlin zeigte, wie der Entwurf einer Briefmarke übertragen und in Stahl gestochen wird. Diese Messe war zwar eine einmalige Gelegenheit, gab Frau und Philatelie aber weiteren Auftrieb.

Danach setzte der BDPh eine BDPh-Frauenbeauftragte ein. Diese sollte die „Oberaufsicht“ über die LV-Frauen übernehmen, sich für sie einsetzen und Sammlerinnen für den BDPh und die Vereine werben. In einem Artikel einer Fachzeitschrift wurde Frau Bullerkotte allen Sammlerinnen und Sammlern als von den Frauen im BDPh gewählt vorgestellt. Sie hatte es nicht leicht zwischen den altgedienten Sammlerinnen – sammelte sie doch selbst erst seit 2 Jahren „Bildchen“, wie einige anmerkten (Katzenmotive). Dass das nicht lange gut gehen konnte war klar – sie warf alsbald das Handtuch, hatte aber auf Anweisung des BDPh-Vorstandes noch dafür gesorgt, dass in den Landesverbänden Sammlerinnen als Frauenbeauftragte eingesetzt wurden. Diese Frauenbeauftragten (nicht jeder Landesverband hat eine ernannt) bestanden allerdings nicht lange. Erhalten blieben sie lediglich im LV Thüringen – hier war Frau Waldtraud Müller schon zu DDR-Zeiten im Kulturbund Thüringen für die Jugendarbeit zuständig gewesen – und im LV Elbe-Weser-Ems, wo unsere Vorsitzende Christine van Ratingen tätig war.

Sonderstempel zum Frauentag auf der BOBRIA ’98

Der erste Erfolg unserer Aktivitäten stellte sich in Bothel auf der „BOBRIA ’98“ ein, wo ein ganzer Tag für uns Frauen reserviert war. Eine stattliche Anzahl von Mitgliedern fand sich ein. Nicht nur aus Niedersachsen, auch aus Hamburg und Hessen kamen Sammlerinnen, um sich zu informieren und zu fachsimpeln. Informationen gab es reichlich, waren doch auch der Fachstellenleiter des BDPh für Fälschungen, Herr Heinz-Jürgen Langwost, und Rolf Behrens, Fälschungsressort im LV Elbe-Weser-Ems, für einen Vortrag eingeladen. Alle, nicht nur die Frauen, waren begeistert und haben sicherlich ihre Schätze zu Hause auf eben solche Fälschungen durchsucht.

Einige unserer Mitglieder beteiligten sich mit ihren Exponaten an der Ausstellung. Helma Janssen errang mit ihrer Sammlung „Unsere Feuerwehr – Bürgerinitiative in Uniform“ Gold in der Wettbewerbsklasse , Elly Silber mit „Giftpilze und ihre Verwendung“, Ursula ebenfalls Silber mit „Leipziger Messe“, und Inge bekam mit ihrer Sammlung „Hunderassen der Welt“ einen Ehrenpreis. Das wurde natürlich abends gefeiert. Ein erfolgreicher Tag für uns Frauen!

Unermüdlich warben wir weiter für die Philatelie und unseren Verein. Wir konnten neue Mitglieder gewinnen, darunter versierte Ausstellerinnen wie z.B. Ursula und Hannelore. Etliche Mitglieder konnten mit ihren Sammlungen auf Ausstellungen Erfolge verbuchen, darunter Eva, die inzwischen verstorbene Ursula, Helma mit ihrem Exponat „Feuerwehr“ und Elly mit den Exponaten „Pilze“ und „Behinderung = Blind“. Eine stattliche Anzahl von Anfängerinnen holten sich Rat und Tat von diesen erfahrenen Ausstellerinnen. Durch viele Initiativen unserer Mitglieder (Artikel, Ausstellungen, gute Bewertungen von Exponaten – bis Rang 1) und persönliches Engagement wurde eine Reihe von ihnen mit Auszeichnungen geehrt.

Nach den ersten Erfolgen steckten wir unsere Ziele höher: Wir strebten an, endlich eine Frau in diese seit über 50 Jahren bestehende Männerdomäne zu integrieren. So trafen wir Frauen uns 1997 zum Bundestag in Leipzig und setzten die Präsidentin des 1. Frauen-Philatelistenclubs Berlin, Frau Hildegard Langwost, auf die Wahlliste für den BDPh-Vorstand. Sie war die Ehefrau des leider verstorbenen Fälschungsexperten im BDPh. Frau Langwost hatte den 1977 von Frau Elli Holtz gegründeten Frauenverein übernommen, dessen Vorstand uns übernehmen wollte, als wir Waise geworden waren.

Frau Langwost stellte sich den versammelten Herren vor, man(n) war sprachlos, rege Diskussionen entbrannten. Natürlich wurde Frau Langwost nicht gewählt, obwohl zwei oder drei Landesverbände dafür stimmten. Das Alter spielte eine Rolle, nicht die Kompetenz …

Weitere Gespräche und Gedanken um/für eine Frau im BDPh-Vorstand ließen den Vorstand nicht los. Die Zeit war doch reif dafür! Und bei der nächsten Vorstandswahl war Helma Janssen, inzwischen unser Mitglied, bereit!

2001 beim Bundestag in Bad Dürkheim wurde Helma Janssen als erste Frau nach über 50 Jahren in den BDPh-Vorstand gewählt. Zum Glück hatten wir Frauen daran gedacht, einen Blumenstrauß für sie mitzubringen und diesen Erfolg zu würdigen.

Nun hatten wir Frauen zwar ein Mitglied im BDPh-Vorstand, aber der Frauenarbeit für die Philatelie brachte es nichts – Helma wurde nämlich für die Jugend eingesetzt, obwohl es eine eigene Vereinigung der philatelistischen Jugend gab/gibt. Ihre Tätigkeit wurde später auf das Ressort Jugend und Familie erweitert, speziell wir Frauen blieben aber immer noch „außen vor“.

Fortsetzung: Die Philatelia 2005 in Köln und die „Folgen“

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